Vom Spagat zwischen Bewahren und Modernisieren
Die im Einflussbereich des boomenden Freiburg wachsende Stadt Bad Krozingen verfügt über alte,
ehemals bäuerliche Ortsteile und umfasst außerdem fünf eingemeindete Teilorte dörflichen
Charakters. Dieses städtisch-ländliche Spannungsfeld bildete den Hintergrund fast aller
Tagesordnungspunkte, die der Bad Krozinger Gemeinderat in seiner Sitzung am 22.10.18 diskutierte.
Zunächst stellte Herr Fahle, der Leiter des Bürgerbeteiligungsverfahren zum
Gemeindeentwicklungskonzept (GEK), die Ergebnisse so charmant dar, wie er es auch begleitet hatte.
Das wesentliche Ergebnis ist ein kräftiges „sowohl … als auch“ zu verschiedenen Themen: Die Bürger
wünschen sich weiteres Wachstum der Stadt, aber moderat. Sie wollen das Profil der Stadt als Kurund Gesundheitsstadt schärfen, aber auch offen sein für Neues. Sie befürworten den Erhalt
historischer Ortsbilder, aber auch zeitgemäße Architektur. Sie wollen mobil sein, aber trotzdem den
Verkehr beruhigt und die Straßen nicht zugeparkt sehen. Sie begrüßen flächenschonende, bauliche
Verdichtung, plädieren aber auch für vernetzte Grünräume. Ein Rat merkte zu Recht an, dass die
Ergebnisse im Einzelnen zwischen dem Kernort einerseits und den Teilorten andererseits etwas
verschieden waren. Auch darin manifestiert sich das Spannungsverhältnis Stadt – Land.
Je konkreter die kommunalpolitischen Anliegen werden, umso eher wird das „sowohl … als auch“ zu
einem schwierigen „entweder – oder“. In konkreten Fragen ist das GEK keine Hilfe, denn dann muss
der einzelne Gemeinderat oder eine Fraktion, die geschlossen auftreten möchte, sich entscheiden:
„entweder städtisch-modern…oder ländlich-bewahrend“!
Im Falle des TOP 4 zur Innenstadtentwicklung kann man bei gutwilliger Betrachtung ein wenig
„sowohl … als auch“ erkennen, weil der Rat beschloss, die alte Römerstraße müsse in dem stark
modernisierten und verdichteten Ensemble als historische Struktur erkennbar bleiben. Mit weniger
Gutwilligkeit lässt sich allerdings der zugrunde liegende Wunsch nach weiterhin durchfließendem,
motorisierten Verkehr ausmachen. Man hat den zugegebenermaßen geradezu umstürzlerischen
Schritt der Kappung der Basler Straße nicht gewagt, so dass sich die Verkehrsfrage dem Rat immer
wieder stellen wird; ansonsten wird sich der gesamte Bereich sehr stark verändern.
In den beiden folgenden TOP ging es um private Bauvorhaben auf zwei großen Grundstücken an der
Schwarzwaldstraße. Auch hier stellte sich die Frage: alte Strukturen bewahren mit stilistisch
angepassten Gebäuden oder signifikante Verdichtung mit moderner Architektur? Der Rat lehnte
beide Vorhaben ab, eines davon einstimmig. Für das andere – es befindet sich in Oberkrozingen „Im
Kaiserhof“ – ist nun sogar eine Veränderungssperre geplant. Der Bürgermeister stimmte mit zwei
weiteren Räten gegen diese Sperre. Man muss anerkennen, dass er in diesen und ähnlichen Fragen
eine klare Meinung pro Modernisierung, Wachstum und Verdichtung vertritt. Seine etwas
ungehaltene Rede, die er über den „Spagat im Kaiserhof“ hielt, war logisch folgerichtig. Seinen
Vorbehalten gegenüber „dörflichem Denken“, wie er es selbst einmal nannte, verlieh er hier erneut
Ausdruck.
Wir vom KBF sehen in historisch gewachsenen Strukturen einen Wert: das individuelle Gesicht einer
Stadt. Wir schließen uns daher bei solchen Bauvorhaben zwar nicht immer, aber doch häufig den
Bewahrern an. In diesen alten Bereichen sollte man nur äußerst vorsichtig moderne Akzente setzen
und nur sehr maßvoll erhöhen und verdichten, sonst verlieren sie den ihnen eigenen Charme.
Jutta Brückner
KBF-Pressewartin