Von Kommunalwahlen, Klimawandel, Mut, Fröhlichkeit und Zuversicht
Über die ganz normalen kommunalpolitischen Themen hinaus werden uns in diesem Jahr
zwei Themenbereiche sehr beschäftigen: die Kommunalwahlen und der Klimawandel. Das
Thema Kommunalwahlen ist wenig komplex: Wir bitten Sie, liebe Leserinnen und Leser, uns
am 26.5. Ihre Stimme zu geben! Wenn Sie das täten, wäre danach kommunalpolitisch fast
alles ziemlich einfach.
Der Klimawandel ist dagegen ein hochkomplexes, 2019 auf keinen Fall bewältigbares Thema.
So fällt z.B. gerade Schnee, viel Schnee. Aber der Schnee ist nass und schwer, die Täler
bleiben wegen relativ hoher Temperaturen (noch) schneefrei. Wissenschaftler stellten kürzlich
fest, dass sich der hohe Norden Amerikas und Eurasiens besonders stark erwärmt. Das
bedeutet eine Zunahme der Luftfeuchtigkeit und eine Abnahme von Temperatur- u.
Luftdruckunterschieden zwischen dem hohen Norden und südlicheren Breiten.
Luftströmungen werden blockiert, was bestimmte Wetterlagen wie Trockenheit oder
Regenfälle länger als früher andauern lassen könnte. Solche persisitierenden Wetterlagen
stellen Kommunalpolitiker vor Herausforderungen, derer sie sich häufig noch nicht genügend
bewusst sind.
Einer der ersten Wissenschaftler, der einen starken Rückgang des Eises im hohen Norden –
und zwar zwischen 1930/31 und 1967 – registrierte, war der Meteorologe Fritz Loewe.
1930/31 hatte er den Winter in einer ins Eis gegrabenen Höhle in der Mitte Grönlands
verbracht, zusammen mit dem Meteorologen Johannes Georgi und dem Glaziologen Ernst
Sorge.
Diese Höhle, „Station Eismitte“, war der wissenschaftliche Mittelpunkt der 4. Expedition
Alfred Wegeners. Georgi hatte die Station aufgebaut und führte dort ein ganzes Jahr lang
meteorologische Untersuchungen durch. Sorge maß in einem tiefen Schacht Dichte und
Temperaturen im grönländischen Inlandeis, eine Pionierleistung, die erst lange nach seinem
Tod im Zuge der Erforschung von Klimaveränderungen gewürdigt wurde.
Wegeners Expedition stand von Anfang an unter einem schlechten Stern. Daher war Eismitte
nur rudimentär mit Brennstoff und Lebensmitteln ausgestattet. Ein Versorgungstransport
durch eine 15-köpfige Gruppe geriet in zu früh einsetzende Winterstürme. Daher erreichten
nur Wegener, Loewe und ein Grönländer die Station. Mit dem Wenigen, was sie brachten,
mussten nicht nur Georgi und Sorge in Eismitte überwintern, sondern – erschwerend – auch
noch Loewe, dem auf dem Weg sämtliche Fußzehen erfroren waren. Der überaus geschickte
Georgi amputierte sie mit einer Blechschere. Loewe genas, wenn auch quälend langsam, mehr
als sechs Monate in einem Schlafsack in seiner Koje liegend.
Der Polarwinter war lang und eiskalt. Vom 23. November bis zum 20. Januar war es in
Eismitte vollkommen dunkel. Um durchzuhalten, hefteten die Wissenschaftler einen
Pappdeckel an die Eiswand. Darauf stand zur täglichen Lektüre: „Hart ist das Leben, hart die
Natur. Aber beide lassen Mut und Fröhlichkeit als Gegengewicht erstehen, sonst würde wohl
niemand hier ausharren können. Mut und Fröhlichkeit! Es ist, als wären sie des Lebens erste
Pflichten.“ (Selma Lagerlöf).
Im Vergleich zum Überlebenskampf dieser Wissenschaftler ist der Wahlkampf ein
angenehmer, ja geradezu luxuriöser Spaß, den wir nun mutig und fröhlich und auch
zuversichtlich aufnehmen. Bei der Beschäftigung mit dem Klimawandel sind wir zwar auch
mutig und fröhlich, aber weit weniger zuversichtlich. Denn alle Anstrengungen zur
Verminderung von Treibhausgas-Emissionen werden letzten Endes wirkungslos bleiben,
solange sie überkompensiert werden von der weltweiten Bevölkerungsexplosion!
Jutta Brückner
KBF-Pressewartin