Das Krozinger Modell

Liebe Leserinnen und Leser,
alle politischen Gruppierungen Bad Krozingens sind in diesen Zeiten vor den
Kommunalwahlen nicht nur mit der Kandidatensuche beschäftigt, sondern auch mit den
Themen, über die die Bürger nachdenken und bei denen wir uns positionieren sollten. Ein
herausragendes Thema ist das des bezahlbaren Wohnraums.
Bad Krozingen stemmte in den vergangenen Jahren mit den Neubaugebieten Kurgarten I und
II ein geradezu riesiges Projekt. Wir vom KBF trugen es wegen des Mangels an Wohnraum
mit Überzeugung mit.
Wir halten den Kurgarten I für gelungen: die gute soziale Durchmischung lässt keine
Befürchtungen hinsichtlich der Entwicklung von Problemvierteln aufkommen; die JohannStrauß-Allee ist eine großzügige, sehr präsentable Achse; der Mozartplatz bietet Raum für
einige Geschäfte, jetzt auch für einen Wochenmarkt; er ist mit dem Bürgerbus an den Kernort
angebunden. Die Grenze zum Kurpark markiert ein wunderschön gestalteter Fußweg. er
begrenzt auch den Kurgarten II, wo eine informative Präsentation archäologischer Funde für
zusätzliche Attraktivität sorgt.
Was jedoch den Kurgarten II insgesamt betrifft, sind wir skeptischer. Bürgermeister Volker
Kieber preist das „Krozinger Modell“ an: Auf sechs Grundstücken, die der Stadt gehörten,
durften Investoren eigenständig, aber im Rahmen von Vorgaben der Stadt planen. Dazu
gehörte u.a., dass 50 % der Wohnungen bezahlbar und deren Mieten auf 15 Jahre
festgeschrieben sein sollten. Aber was passiert dann? Man kann davon ausgehen, dass die
Investoren eine Mischkalkulation aufstellten, nach der eine Hälfte der Wohnungen sofort
recht teuer ist, die andere Hälfte erst nach 15 Jahren. Die vermutete Rendite dürfte erheblich
höher sein als die, die für Lieschen Müller und Max Mustermann mit irgendwelchen
Anlagestrategien erreichbar ist.
Bedauerlich, dass die Stadt nicht dem seinerzeit vom Agendaverein vorgeschlagenen Weg der
Gründung einer Bau-Genossenschaft – zum Bau von Wohnungen mit Eigentumsanteilen auf
den preiswert überlassenen städtischen Grundstücken – folgte. Bei diesem Modell wäre
aufgrund des privaten Engagements der Mietgenossen die Identifikation der Bewohner mit
Wohnung und Stadt höher, der Renditedruck erheblich geringer, und die Mieten blieben
nachhaltig niedrig. Aber vielleicht greift man ja die Idee beim nächsten Baugebiet auf?
Allerdings plädieren wir vom KBF sehr dafür, ein neues, größeres Bauvorhaben erst einmal
zurückzustellen. Kurgarten I und II bedeuten für Bad Krozingen zusätzlich ca. 2.500
Einwohner. Bei einer Gesamtbevölkerung von 19.457 (Stand 31.12.2017) ist das eine hohe
Zahl. Ein solches Wachstum muss erst einmal verdaut werden.


Jutta Brückner
KBF-Pressewartin

Genossenschaftliches Bauen und Wohnen, preiswert und sicher mit anteiligem Wohneigentum im
Alter – leider nicht hier im „Kurgarten der Investoren“!